Wie verändert eine geschlechtersensible Perspektive auf den Umbruch von 1989 die gängigen Narrative der »Rückkehr nach Europa«? Wie haben die Erfahrungen der postsozialistischen Zeit, zu denen auch die Neuordnung der Geschlechterverhältnisse gehört, die Perspektive auf den Staatssozialismus verändert? Inwieweit ist das Ende einer binären Weltordnung auch für die Rekonfiguration einer immer noch binären Geschlechterordnung relevant? Thema dieses Heftes ist die Historisierung des Jahres 1989 im mittleren und östlichen Europa, die ohne eine geschlechtergeschichtliche Perspektive nicht möglich ist. Denn Kontinuitäten und Brüche zwischen vorsozialistischer, sozialistischer und postsozialistischer Zeit stellen sich in Hinblick auf Geschlechterverhältnisse anders dar als in konventionellen Darstellungen.